Eine Analyse des Canon EF 135mm f/2.8 Softfocus: Ein Spezialist für den künstlerischen Ausdruck
Das Canon EF 135mm f/2.8 Softfocus ist kein gewöhnliches Teleobjektiv. In einer Zeit, in der die meisten Objektiventwicklungen auf kompromisslose Schärfe und optische Perfektion abzielen, sticht dieses Objektiv als ein Werkzeug hervor, das bewusst einen anderen Weg einschlägt. Es wurde für Canon EF-DSLR-Kameras entwickelt und richtet sich an Fotografen, die ihren Bildern einen unverwechselbaren, künstlerischen und oft nostalgisch anmutenden Charakter verleihen möchten. Statt der maximalen Schärfe zu frönen, bietet es die Möglichkeit, kontrollierte Weichzeichnungseffekte direkt in der Optik zu erzeugen.
Mit einer festen Brennweite von 135mm und einer maximalen Blendenöffnung von f/2.8 positioniert sich das Objektiv zunächst als klassisches Porträt-Tele. Diese Brennweite ist bekannt für ihre angenehme Perspektivkompression und die Fähigkeit, Motive hervorragend vom Hintergrund zu isolieren, was zu einem ansprechenden, unscharfen Bokeh führt. Die Lichtstärke von f/2.8 ermöglicht nicht nur eine geringe Schärfentiefe, sondern auch das Fotografieren unter weniger optimalen Lichtbedingungen.
Das optische Design des Objektivs ist mit 7 Elementen in 6 Gruppen vergleichsweise einfach gehalten, was zu seiner kompakten Größe und seinem geringen Gewicht von nur 390 Gramm beiträgt. Dies macht es zu einem angenehmen Begleiter für längere Shootings oder Reisen, ohne die Ausrüstung übermäßig zu belasten. Das Filtergewinde von 52mm ist für ein Teleobjektiv eher klein und erfreulich, da passende Filter oft kostengünstiger sind. Die minimale Fokusdistanz liegt bei 1,3 Metern, was eine maximale Vergrößerung von 0,12x ermöglicht – ausreichend für Porträts, aber nicht für Makro-Aufnahmen. Die Blende besteht aus 6 Lamellen, was bei Spitzlichtern ein leicht eckiges Bokeh erzeugen kann, obwohl die Kombination aus 135mm und f/2.8 generell für eine ansprechende Hintergrundunschärfe sorgt.
Das Herzstück und das Alleinstellungsmerkmal dieses Objektivs ist zweifellos die "Softfocus Control"-Funktion. Über einen speziellen Ring am Objektiv kann der Fotograf zwischen drei Stufen wählen: 0 (normale Schärfe), 1 (leichter Softfocus) und 2 (stärkerer Softfocus). Dieser Mechanismus funktioniert, indem eine bestimmte Linsengruppe innerhalb des Objektivs axial verschoben wird, was eine kontrollierte sphärische Aberration erzeugt. Das Ergebnis ist keine diffuse Unschärfe, sondern eine gezielte Weichzeichnung, die dem Bild einen "ätherischen" oder "traumartigen" Schleier verleiht, während die Grundform des Motivs erhalten bleibt. Der Effekt ist subtil und kann je nach Lichtsituation variieren, ist aber besonders effektiv bei Gegenlicht oder sanftem Streulicht.
Der Autofokus wird von einem USM (Micro-type) Motor angetrieben. Obwohl dieser Typ des Ultraschallmotors nicht ganz die Geschwindigkeit und Laufruhe der ringförmigen USM-Motoren erreicht, ist er für die meisten Anwendungen, insbesondere die Porträtfotografie, ausreichend schnell und präzise. Ein Vorteil ist die Möglichkeit des Full-Time Manual Focus (FTM), die es erlaubt, jederzeit manuell in den Fokus einzugreifen, ohne zuerst den AF-Modus zu deaktivieren. Dies ist besonders nützlich, wenn der Softfocus-Effekt die Schärfepunkte des Autofokus herausfordert oder wenn eine extrem präzise Fokussierung für kreative Effekte erforderlich ist.
Wo glänzt das Canon EF 135mm f/2.8 Softfocus? Es ist maßgeschneidert für eine Reihe spezifischer Anwendungsfälle:
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Porträtfotografie: Dies ist die primäre Domäne des Objektivs. Die 135mm Brennweite isoliert das Modell hervorragend und erzeugt eine schmeichelhafte Perspektive. In Kombination mit dem Softfocus-Effekt können Porträts eine romantische, zeitlose oder gar märchenhafte Qualität erhalten. Der Softfocus minimiert gleichzeitig Hautunreinheiten und weiche Übergänge, was besonders bei Beauty- und Glamour-Porträts geschätzt wird, da es den Bedarf an aufwendiger Post-Produktion reduziert.
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Künstlerische und experimentelle Fotografie: Für Fotografen, die über die Grenzen der konventionellen Schärfe hinausgehen möchten, bietet das Objektiv ein mächtiges Werkzeug. Es ermöglicht die Schaffung von Bildern mit einer einzigartigen Atmosphäre, die Emotionen und Stimmungen durch Weichheit ausdrücken. Ob in der Stillleben-, Landschafts- oder Aktfotografie – der Softfocus kann herkömmlichen Motiven eine neue Dimension verleihen.
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Glamour- und Beauty-Fotografie: Hier kann der Softfocus-Effekt dazu beitragen, einen luxuriösen und makellosen Teint zu erzeugen, der das Licht auf subtile Weise streut und dem Modell einen strahlenden Glanz verleiht, ohne dass die Aufnahme übermäßig digital nachbearbeitet werden muss.
Trotz seiner einzigartigen Stärken ist das Canon EF 135mm f/2.8 Softfocus nicht für jeden Zweck das ideale Objektiv. Es ist ein Spezialist und kein Allrounder. Bei aktivierter Softfocus-Funktion wird bewusst auf maximale Schärfe verzichtet, was für pixelpeeping-affine Fotografen oder für Anwendungen, die absolute Detailauflösung erfordern (wie z.B. technische Dokumentation oder bestimmte Arten der Produktfotografie), ein Nachteil sein kann. Bei Stufe 0 liefert es jedoch eine respektable Schärfe, die für viele Porträtzwecke mehr als ausreichend ist. Ein weiterer Aspekt ist das Fehlen eines optischen Bildstabilisators. Bei einer Brennweite von 135mm kann dies bei längeren Belichtungszeiten oder ungünstigen Lichtverhältnissen eine ruhige Hand, höhere ISO-Werte oder den Einsatz eines Stativs erfordern.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Canon EF 135mm f/2.8 Softfocus ein faszinierendes und unterschätztes Objektiv ist, das einen bestimmten kreativen Bedarf bedient. Es ist kein Objektiv für diejenigen, die nur nach knackscharfen Bildern suchen, sondern für Fotografen, die gezielt einen charakteristischen, weichen und oft ätherischen Look in ihren Arbeiten erzielen möchten. Seine kompakte Bauweise, die solide Lichtstärke und vor allem der einzigartige Softfocus-Mechanismus machen es zu einem wertvollen Werkzeug im Arsenal eines kreativen Bildgestalters, der bereit ist, die Konventionen der reinen Schärfe zu hinterfragen und den Fokus auf den emotionalen und künstlerischen Ausdruck zu legen. Es ist ein Objektiv, das zur Exploration und zum Experimentieren einlädt und somit seinen Platz in der Welt der spezialisierten Optiken verdient hat.