Canon EF 20-35mm f/2.8L USM Objektiv: Ein detaillierter Testbericht
Das Canon EF 20-35mm f/2.8L USM ist ein Objektiv, das in Canons renommierter L-Serie angesiedelt ist und professionellen Fotografen eine schnelle und vielseitige Weitwinkel-Zoom-Lösung für ihre Vollformat-DSLR-Kameras bietet. Obwohl es sich um ein Design handelt, das einige Jahre auf dem Buckel hat, bleibt es aufgrund seiner robusten Bauweise, der konstanten Lichtstärke und der überzeugenden optischen Leistung ein geschätztes Werkzeug für eine Vielzahl von fotografischen Disziplinen. Dieses Objektiv richtet sich an anspruchsvolle Anwender, die Wert auf kompromisslose Leistung und Zuverlässigkeit legen.
Bauweise und Handhabung
Die Verarbeitungsqualität des EF 20-35mm f/2.8L USM ist, wie von der L-Serie zu erwarten, exzellent und auf Langlebigkeit ausgelegt. Das Gehäuse ist robust und widerstandsfähig gegenüber den Strapazen des täglichen professionellen Einsatzes. Mit einem Gewicht von 560 Gramm ist es für ein professionelles Weitwinkelzoom der L-Serie relativ leicht und gut ausbalanciert an einer Vollformat-DSLR-Kamera. Dies trägt maßgeblich zur angenehmen Handhabung bei, selbst bei längeren Shootings oder auf Reisen. Die Zoom- und Fokusringe laufen geschmeidig und präzise, was eine feinfühlige Steuerung ermöglicht.
Ein praktisches Merkmal ist der 77mm Filterdurchmesser, der weit verbreitet ist und die Verwendung einer breiten Palette von Filtern (z.B. Polfilter, ND-Filter) ohne Kompromisse bei der Kompatibilität ermöglicht. Das Objektiv verfügt über eine interne Fokussierung, was bedeutet, dass sich die Gesamtlänge des Objektivs beim Fokussieren nicht ändert und die Frontlinse nicht rotiert. Dieser Vorteil ist besonders nützlich, wenn Verlaufs- oder Polarisationsfilter verwendet werden, deren Ausrichtung beibehalten werden muss. Die Abdichtung gegen Staub und Spritzwasser, ein typisches Merkmal der L-Serie, verstärkt die Zuverlässigkeit des Objektivs unter widrigen Wetterbedingungen.
Optische Leistung
In Bezug auf die optische Leistung liefert das EF 20-35mm f/2.8L USM eine durchweg solide Vorstellung ab. Die Schärfe im Zentrum ist bereits bei Offenblende f/2.8 sehr gut und für die meisten Anwendungen absolut ausreichend. Wie bei vielen Weitwinkelzooms dieser Generation lässt die Schärfe zu den Rändern und Ecken hin bei Offenblende, insbesondere an der weitesten Brennweite von 20mm, etwas nach. Dieses Phänomen ist jedoch typisch und kann durch leichtes Abblenden auf f/5.6 oder f/8 deutlich verbessert werden, wo die Schärfe über das gesamte Bildfeld hinweg beeindruckend homogen wird.
Die konstante maximale Blende von f/2.8 ist ein entscheidender Vorteil dieses Objektivs. Sie ermöglicht nicht nur Aufnahmen bei schlechten Lichtverhältnissen mit kürzeren Verschlusszeiten, sondern bietet auch eine gute Kontrolle über die Schärfentiefe, selbst wenn der Weitwinkelcharakter des Objektivs dies weniger prominent erscheinen lässt. Das 7-lamellige Blende erzeugt eine akzeptable, wenn auch nicht perfekt runde, Bokeh-Qualität, die für ein Weitwinkelobjektiv jedoch meist zweitrangig ist.
Typisch für Ultraweitwinkelzooms, zeigt das Objektiv bei 20mm eine merkliche tonnenförmige Verzeichnung, die sich bei längeren Brennweiten in eine leichtere kissenförmige Verzeichnung wandeln kann. Diese optischen Abbildungsfehler sind in der digitalen Nachbearbeitung mit modernen Bildbearbeitungsprogrammen jedoch leicht und effektiv zu korrigieren. Vignettierung (Randabschattung) ist bei Offenblende an Vollformatsensoren sichtbar, insbesondere an den Bildrändern und bei 20mm. Ein Abblenden auf f/4 oder f/5.6 reduziert diesen Effekt deutlich. Chromatische Aberrationen werden für ein Objektiv dieser Klasse gut kontrolliert, können aber unter sehr kontrastreichen Bedingungen an den Rändern gelegentlich auftreten. Die hochwertige Linsenvergütung sorgt für eine gute Widerstandsfähigkeit gegen Streulicht und Geisterbilder, selbst in anspruchsvollen Gegenlichtsituationen.
Autofokus
Der integrierte Ultrasonic Motor (USM) ist ein weiteres Highlight des Objektivs. Er sorgt für einen schnellen, präzisen und nahezu geräuschlosen Autofokus. Diese Eigenschaft ist besonders in Situationen von Vorteil, in denen schnelle Reaktionen gefragt sind, wie bei der Eventfotografie oder bei sich bewegenden Motiven. Die Möglichkeit des Full-Time Manual Focus (FTM) erlaubt jederzeit manuelle Korrekturen des Fokus, ohne den AF-Modus wechseln zu müssen, was eine zusätzliche Flexibilität im kreativen Prozess bietet.
Einsatzbereiche
Das Canon EF 20-35mm f/2.8L USM glänzt in mehreren spezifischen Anwendungsbereichen:
- Landschaftsfotografie: Mit seinem weiten Brennweitenbereich von 20-35mm ist es hervorragend geeignet, um weite Panoramen und dramatische Himmelsbilder einzufangen. Die hohe Schärfe, insbesondere abgeblendet, und die robuste Bauweise machen es zum idealen Begleiter für Outdoor-Shootings.
- Architekturfotografie: Die Fähigkeit, große Gebäude und Innenräume detailreich abzubilden, wird durch die solide optische Leistung unterstützt. Eventuelle Verzeichnungen lassen sich in der Nachbearbeitung gut korrigieren, um gerade Linien beizubehalten.
- Eventfotografie: Die konstante Lichtstärke von f/2.8 ist ein großer Vorteil bei schlechten Lichtverhältnissen, wie sie oft bei Veranstaltungen in Innenräumen oder abends vorkommen. Der schnelle und präzise Autofokus stellt sicher, dass wichtige Momente scharf erfasst werden.
- Astrofotografie: Für Astrofotografen ist die Kombination aus der weiten Brennweite und der großen Offenblende f/2.8 von großem Wert. Sie ermöglicht es, Sterne, die Milchstraße oder Nordlichter mit relativ kurzen Belichtungszeiten aufzunehmen und so die Sternspuren zu minimieren.
- Reisefotografie: Trotz seiner professionellen Bauweise ist das Objektiv mit 560g noch reisetauglich. Es deckt einen vielseitigen Weitwinkelbereich ab, der für Stadtansichten, Landschaften, Gruppenfotos und die Dokumentation von Kulturen auf Reisen ideal ist.
Einschränkungen und Überlegungen
Ein wesentlicher Punkt, der bei diesem Objektiv zu beachten ist, ist das Fehlen einer optischen Bildstabilisierung (IS). Dies bedeutet, dass bei längeren Belichtungszeiten oder in sehr schlechten Lichtverhältnissen ein Stativ oder eine höhere ISO-Einstellung erforderlich ist, um Verwacklungen zu vermeiden. Die Naheinstellgrenze von 0,5m und die maximale Vergrößerung von 0,12x machen es nicht zu einem Objektiv für Detailaufnahmen oder Makrofotografie. Obwohl es sich um ein L-Objektiv handelt, mag es in Bezug auf die Korrektur von optischen Fehlern nicht ganz mit den neuesten, digital optimierten Designs mithalten können.
Fazit
Das Canon EF 20-35mm f/2.8L USM bleibt auch heute noch ein sehr fähiges Weitwinkelzoomobjektiv für Canon EF-Mount Kameras. Es besticht durch seine robuste L-Serien-Verarbeitung, die konstante Lichtstärke von f/2.8 und den schnellen, präzisen USM-Autofokus. Obwohl es keine Bildstabilisierung bietet und bei Offenblende leichte Schwächen an den Rändern aufweisen kann, liefert es zuverlässig scharfe und ansprechende Bilder, insbesondere wenn es leicht abgeblendet wird. Für Fotografen, die ein zuverlässiges, professionelles Weitwinkelzoom für Landschaft, Architektur, Events, Astrofotografie oder Reisen suchen und bereit sind, auf Bildstabilisierung zu verzichten, stellt dieses Objektiv eine hervorragende und oft preisgünstigere Alternative zu modernen Nachfolgern dar. Es ist ein Arbeitsgerät, das für seine Haltbarkeit und seine Fähigkeit, unter anspruchsvollen Bedingungen zu performen, geschätzt wird.