Objektivtest: Canon EF 85mm f/1.8 USM – Ein Klassiker im Porträt- und Low-Light-Segment
Das Canon EF 85mm f/1.8 USM ist seit seiner Einführung eine feste Größe im Objektivpark vieler Canon-Fotografen. Es genießt den Ruf eines vielseitigen und preiswerten Arbeitspferdes, das sich besonders in den Bereichen Porträt- und Available-Light-Fotografie hervortut. Als lichtstarkes 85mm-Festbrennweitenobjektiv für Vollformat-DSLR-Kameras bietet es eine beeindruckende Kombination aus schneller Blende, effektiver Motivfreistellung und einem zuverlässigen Autofokussystem. Diese Bewertung beleuchtet die Stärken und potenziellen Schwächen dieses Objektivs, um Fotografen eine fundierte Entscheidungshilfe zu bieten.
Optische Leistung und Bildqualität
Die Brennweite von 85mm gilt traditionell als ideale Wahl für die Porträtfotografie an Vollformatkameras. Sie ermöglicht einen angenehmen Arbeitsabstand zum Modell, wodurch eine natürliche Perspektive ohne Verzerrungen des Gesichts gewährleistet wird. Die maximale Blendenöffnung von f/1.8 ist das Herzstück dieses Objektivs und bietet entscheidende Vorteile: Sie erlaubt das Fotografieren unter schlechten Lichtverhältnissen, ohne die ISO-Empfindlichkeit drastisch erhöhen zu müssen, und ermöglicht eine extreme Trennung des Motivs vom Hintergrund.
Das Bokeh, die Qualität der Hintergrundunschärfe, ist ein entscheidendes Kriterium für Porträtaufnahmen. Mit seinen acht Blendenlamellen erzeugt das EF 85mm f/1.8 USM in der Regel ein ansprechend weiches und cremiges Bokeh, das die Aufmerksamkeit gezielt auf das Hauptmotiv lenkt. Bei offener Blende können Spitzlichter in der Unschärfe zwar manchmal eine leicht unruhige Form annehmen, insgesamt ist die Wiedergabe jedoch sehr harmonisch und für die meisten Anwendungen äußerst zufriedenstellend.
In puncto Schärfe liefert das Objektiv bereits bei f/1.8 eine gute Leistung im Bildzentrum, die sich beim Abblenden auf f/2.8 oder f/4 merklich steigert und über das gesamte Bildfeld exzellent wird. Randschärfe ist ein Bereich, in dem das Objektiv bei offener Blende leichte Schwächen zeigen kann, diese verbessern sich jedoch ebenfalls beim Abblenden. Chromatische Aberrationen, insbesondere purpurne oder grüne Farbsäume an Kontrastkanten, können bei sehr hellen Lichtverhältnissen oder offener Blende auftreten. Diese sind jedoch meist moderat und lassen sich in der Nachbearbeitung gut korrigieren. Die Vignettierung ist bei f/1.8 erwartungsgemäß sichtbar, was in der Porträtfotografie oft sogar als gestalterisches Element genutzt werden kann, um das Motiv zu umrahmen. Beim Abblenden auf f/2.8 oder f/4 nimmt die Vignettierung schnell ab. Das Gegenlichtverhalten ist akzeptabel, wenngleich moderne Objektive mit fortschrittlicheren Beschichtungen hier tendenziell eine bessere Leistung erbringen können. Streulichtblenden sind ratsam, um Flares zu minimieren.
Autofokus-Leistung und Handhabung
Das "USM" im Namen steht für Canons Ultrasonic Motor, der für seinen schnellen und relativ leisen Autofokus bekannt ist. In der Praxis erweist sich der Autofokus als präzise und zuverlässig, was insbesondere bei dynamischen Szenarien wie Hochzeiten oder Events von großem Vorteil ist. Die Geschwindigkeit ist für die meisten Situationen mehr als ausreichend, und die Geräuschentwicklung ist im Vergleich zu Objektiven mit Mikro-Motoren deutlich geringer.
Ein praktisches Feature ist die Möglichkeit zur jederzeitigen manuellen Fokussierung (Full-Time Manual Focus), ohne zuvor in den MF-Modus wechseln zu müssen. Dies ermöglicht schnelle Feinjustierungen des Fokus ohne Unterbrechung des Arbeitsflusses. Das Innenfokussiersystem trägt zur Robustheit bei, da das Objektiv beim Fokussieren weder seine Länge ändert noch die Frontlinse rotiert. Dies ist besonders vorteilhaft bei der Verwendung von Pol- oder Verlaufsfiltern (Filtergewinde: 58mm). Die Naheinstellgrenze von 0,85 Metern ist für Porträts ausreichend, macht das Objektiv jedoch nicht zu einem Makroobjektiv (maximale Vergrößerung von 0.13x).
Hinsichtlich der Verarbeitungsqualität ist das EF 85mm f/1.8 USM solide, aber nicht überragend. Das Gehäuse besteht größtenteils aus hochwertigem Kunststoff, während das Bajonett aus Metall gefertigt ist. Es ist kein spritzwasser- oder staubgeschütztes Objektiv, was in anspruchsvollen Umgebungen bedacht werden sollte. Mit einem Gewicht von 425g ist es angenehm leicht und kompakt, was es zu einem guten Begleiter für längere Fotosessions macht und die Balance an einer DSLR-Kamera gut hält. Das Fehlen eines optischen Bildstabilisators ist typisch für lichtstarke Festbrennweiten dieser Preisklasse und erfordert bei schlechten Lichtverhältnissen entsprechend kürzere Verschlusszeiten oder den Einsatz eines Stativs, um Verwacklungen zu vermeiden.
Haupteinsatzgebiete
Das Canon EF 85mm f/1.8 USM glänzt in mehreren spezifischen Anwendungsbereichen:
- Porträtfotografie: Dies ist zweifellos die Domäne des Objektivs. Die 85mm-Brennweite an Vollformat erzeugt natürliche Proportionen, während die f/1.8-Blende eine wunderbare Freistellung und ein cremiges Bokeh ermöglicht, das das Motiv hervorhebt.
- Available-Light-Fotografie: Die hohe Lichtstärke von f/1.8 ist ein Segen in dunklen Umgebungen. Ob bei Innenaufnahmen ohne Blitz, Konzerten oder nächtlichen Straßenszenen – das Objektiv fängt auch bei wenig Licht Details und Atmosphäre ein und ermöglicht den Einsatz niedrigerer ISO-Werte.
- Hochzeits- und Eventfotografie: Die Kombination aus schneller Blende, zuverlässigem Autofokus und der Fähigkeit zur Motivisolation macht es zu einem exzellenten Werkzeug für Hochzeits- und Eventfotografen. Es erlaubt das Einfangen von intimen Momenten und die Trennung von Paaren oder Rednern vom oft unruhigen Hintergrund.
- Straßenfotografie: Obwohl 85mm für manche zu lang sein mag, können erfahrene Straßenfotografen die Brennweite nutzen, um diskrete Aufnahmen aus einiger Entfernung zu machen und dabei Menschen oder Szenen durch die geringe Schärfentiefe effektiv zu isolieren. Der leise USM-Autofokus trägt zur Diskretion bei.
Fazit
Das Canon EF 85mm f/1.8 USM ist ein herausragendes Objektiv, das ein außergewöhnliches Preis-Leistungs-Verhältnis bietet. Es liefert eine sehr gute Abbildungsleistung, einen schnellen und zuverlässigen Autofokus sowie ein attraktives Bokeh, alles in einem relativ leichten und kompakten Gehäuse. Trotz kleinerer optischer Mängel wie chromatischen Aberrationen und Vignettierung bei Offenblende, die typisch für Objektive dieser Generation sind und in der Nachbearbeitung gut zu handhaben sind, überwiegen die Vorteile deutlich.
Für ambitionierte Hobbyfotografen, die in die Welt der Porträtfotografie einsteigen möchten, oder für Profis, die eine kostengünstige, aber leistungsfähige Festbrennweite suchen, ist das EF 85mm f/1.8 USM eine klare Empfehlung. Es ist ein bewährtes Objektiv, das nach wie vor zu den Must-haves im Canon EF-System gehört und auch nach Jahren noch beeindruckende Ergebnisse liefert. Es ist ein Dauerbrenner, der seine Position als einer der besten Werte im Canon-Objektivpark festigt.
