Das Canon EF-S 18-200mm f/3.5-5.6 IS Objektiv positioniert sich als ein vielseitiges „All-in-One“-Zoomobjektiv, das speziell für Canon DSLRs mit EF-S Bajonett und APS-C Sensorformat entwickelt wurde. Es wurde konzipiert, um Fotografen eine außergewöhnlich breite Brennweitenabdeckung von Weitwinkel bis Tele in einem einzigen, relativ kompakten und leichten Gehäuse zu bieten. Diese Kombination aus umfangreicher Flexibilität und integrierter Bildstabilisierung macht es zu einer attraktiven Option für eine Vielzahl von Einsatzbereichen, von der Reisefotografie bis hin zum alltäglichen Gebrauch. In dieser Rezension werden wir seine Leistungsmerkmale, seine Stärken in verschiedenen fotografischen Szenarien sowie die typischen Kompromisse, die ein Superzoom-Objektiv dieser Klasse mit sich bringt, objektiv beleuchten.
Der herausragendste Aspekt dieses Objektivs ist zweifellos sein beeindruckender Brennweitenbereich von 18mm bis 200mm. An einer APS-C Kamera, wie sie für das EF-S Bajonett vorgesehen ist, entspricht dies einem effektiven Brennweitenbereich von etwa 29mm bis 320mm im Kleinbildformat (unter Berücksichtigung des Crop-Faktors von 1.6x bei Canon). Diese enorme Spanne ermöglicht es dem Fotografen, von weiten Landschaftsaufnahmen bei 18mm bis hin zu stark vergrößerten Details, Porträts aus der Ferne oder der Annäherung an scheue Motive bei 200mm alles abzudecken, ohne das Objektiv wechseln zu müssen. Dies ist ein erheblicher Vorteil für Reisefotografen, die das Gewicht ihrer Ausrüstung minimieren und schnell auf wechselnde Motive reagieren möchten, oder für Gelegenheitsfotografen, die maximale Flexibilität in einer einzigen Optik suchen. Die Fähigkeit, sowohl weite Panoramen als auch Architektur im Weitwinkelbereich, detaillierte Street-Szenen als auch schmeichelhafte Porträts oder sogar vorsichtige Tieraufnahmen im Telebereich zu erfassen, ohne die Kamera absetzen zu müssen, fördert die spontane Kreativität und erleichtert das Festhalten flüchtiger Momente.
Ein weiteres entscheidendes Merkmal ist die integrierte optische Bildstabilisierung (IS). Angesichts des weiten Brennweitenbereichs, insbesondere am Teleende von 200mm (effektiv 320mm), ist eine effektive Stabilisierung unerlässlich, um scharfe Bilder bei Freihandaufnahmen zu gewährleisten. Die IS-Funktion hilft, Verwacklungen der Kamera zu minimieren und ermöglicht es dem Fotografen, mit längeren Verschlusszeiten aus der Hand zu fotografieren, als es sonst möglich wäre. Dies ist besonders vorteilhaft bei weniger idealen Lichtverhältnissen, wie z.B. in Innenräumen, bei Dämmerung oder bei bewölktem Himmel, wo die relativ variable maximale Blendenöffnung von f/3.5-5.6 an ihre Grenzen stoßen kann. Die Bildstabilisierung trägt somit maßgeblich dazu bei, die nutzbare Leistung des Objektivs unter anspruchsvolleren Bedingungen zu erweitern und die Wahrscheinlichkeit scharfer und verwacklungsfreier Aufnahmen zu erhöhen.
Wie bei den meisten Superzoom-Objektiven erfordert die enorme Vielseitigkeit des Brennweitenbereichs konstruktionsbedingt gewisse Kompromisse in der optischen Leistung. Das Canon EF-S 18-200mm f/3.5-5.6 IS besteht aus 16 Linsen in 12 Gruppen, eine komplexe Anordnung, die darauf abzielt, Aberrationen über den gesamten Zoombereich zu korrigieren. In der Bildmitte liefert das Objektiv in der Regel eine gute bis sehr gute Schärfe, insbesondere im mittleren Brennweitenbereich und bei leicht abgeblendetem Zustand. Zu den Rändern hin und an den extremen Enden des Zoombereichs (18mm und 200mm), insbesondere bei weit geöffneter Blende, kann die Schärfe tendenziell leicht abnehmen.
Chromatische Aberrationen, insbesondere Farbsäume an kontrastreichen Kanten, können ebenfalls auftreten, sind aber oft in der digitalen Nachbearbeitung korrigierbar. Auch Verzeichnung, insbesondere die Tonnenverzeichnung am Weitwinkelende und die Kissenverzeichnung am Teleende, ist ein typisches Merkmal dieses Objektivtyps und lässt sich in modernen Kameras oder Bearbeitungsprogrammen oft automatisch korrigieren. Eine moderate Vignettierung kann bei weit geöffneter Blende beobachtet werden, verschwindet aber meist beim Abblenden oder wird ebenfalls von der Kamera automatisch kompensiert. Die Blendenkonstruktion mit 6 Lamellen erzeugt ein dezentes Bokeh. Es ist für die meisten Anwendungen ausreichend, wird aber nicht die extrem weiche Unschärfe von Objektiven mit größeren Blendenöffnungen oder mehr Blendenlamellen erreichen.
Mit einem Gewicht von 595g ist das Objektiv für seine Klasse und den gebotenen Brennweitenbereich als relativ kompakt und leicht zu bezeichnen. Dies trägt maßgeblich zur Attraktivität für Reise- und Alltagsfotografen bei, da es die Kameraausrüstung nicht übermäßig belastet. Das Gehäuse ist robust, hauptsächlich aus Kunststoffen gefertigt, was dem Leichtbaugedanken entspricht, ohne billig zu wirken. Der Zoomring ist in der Regel leichtgängig und präzise, und der Fokusring bietet eine angemessene Kontrolle. Der Filtergewindedurchmesser von 72mm ist ein gängiges Maß, sodass Zubehör wie Polfilter oder ND-Filter problemlos verwendet werden kann. Die Naheinstellgrenze von 0.45m ermöglicht eine maximale Vergrößerung von 0.24x, was für gelegentliche Nahaufnahmen ausreichend ist, aber keine dedizierte Makrofähigkeit darstellt.
Dieses Objektiv glänzt in Situationen, in denen Flexibilität und Bequemlichkeit an erster Stelle stehen:
- Reisefotografie: Es ist die ideale „Eine-Linse-für-alles“-Lösung, die es ermöglicht, Landschaften, Architektur, Street Photography, Porträts und sogar einige Tieraufnahmen ohne Objektivwechsel zu erfassen. Dies spart erheblich Platz und Gewicht im Gepäck und macht die Reise entspannter.
- Alltagsfotografie: Für den täglichen Gebrauch, bei dem man nicht mehrere Objektive mit sich führen möchte, ist es perfekt. Es ist immer bereit für spontane Schnappschüsse, egal ob im Weitwinkelbereich einer belebten Straße oder im Telebereich zur Erfassung eines entfernten Motivs.
- Landschaftsfotografie: Der 18mm Weitwinkelbereich ist ausreichend, um beeindruckende Landschaftsaufnahmen festzuhalten, während die Bildstabilisierung bei schwierigen Lichtverhältnissen oder beim Fotografieren aus der Hand hilfreich ist.
- Porträtfotografie: Am Teleende (200mm) kann eine gute Hintergrundkompression erzielt werden, die für schmeichelhafte Porträts sorgt. Die variable Blende erfordert hierbei jedoch gute Lichtverhältnisse oder eine höhere ISO-Einstellung, um eine ausreichende Belichtung und Schärfe zu gewährleisten.
- Gelegentliche Wildtierfotografie: Obwohl es kein spezielles Teleobjektiv ist, bietet der 200mm-Bereich (effektiv 320mm) genügend Reichweite für Tierbeobachtungen aus mittlerer Distanz, solange die Lichtverhältnisse ausreichend sind und die Motive nicht zu schnell sind.
Die primären Einschränkungen des EF-S 18-200mm f/3.5-5.6 IS ergeben sich naturgemäß aus seiner Superzoom-Konstruktion. Die variable maximale Blendenöffnung von f/3.5 bei 18mm, die schnell auf f/5.6 bei 200mm abfällt, bedeutet, dass das Objektiv bei sehr schlechten Lichtverhältnissen oder für Porträts mit einem extrem stark unscharfen Hintergrund an seine Grenzen stößt. In solchen Situationen sind Objektive mit fester, größerer Blendenöffnung oder spezialisierte Teleobjektive klar im Vorteil. Auch wenn die optische Leistung für die meisten Anwendungsfälle zufriedenstellend ist, wird es die absolute Schärfe, den Kontrast oder die Korrektur von Aberrationen von spezialisierten Prime-Objektiven oder hochwertigen, lichtstarken Zoom-Objektiven nicht erreichen. Es ist letztlich ein Kompromiss zwischen überragender Vielseitigkeit und absoluter optischer Perfektion.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Canon EF-S 18-200mm f/3.5-5.6 IS ein äußerst praktisches und vielseitiges Objektiv ist, das besonders für Fotografen geeignet ist, die Wert auf eine umfassende Brennweitenabdeckung und Reisefreundlichkeit legen. Es ist eine ausgezeichnete Wahl für Hobbyfotografen, die ein einziges Objektiv für eine breite Palette von Motiven suchen, ohne ständig Objektive wechseln zu müssen. Seine Stärken liegen in der immensen Flexibilität des Zoombereichs, der effektiven Bildstabilisierung und dem relativ geringen Gewicht für den gebotenen Funktionsumfang. Während es in Bezug auf die absolute Bildqualität und Lichtstärke gewisse, einem Superzoom eigene Kompromisse eingeht, bietet es ein hervorragendes Gesamtpaket für seine Zielgruppe. Es ist kein Objektiv für den kompromisslosen professionellen Einsatz, aber ein überaus fähiger und zuverlässiger Begleiter für den anspruchsvollen Amateur und Reisenden, der eine flexible Lösung für nahezu jede fotografische Situation sucht.
