Das Fujifilm Fujinon XF 35mm f/1.4 R – Eine objektive Bewertung
Das Fujifilm Fujinon XF 35mm f/1.4 R hat sich seit seiner Einführung als eines der ikonischsten und meistdiskutierten Objektive im spiegellosen APS-C-System von Fujifilm etabliert. Als Teil der ersten Generation von XF-Objektiven genießt es einen legendären Ruf für seine einzigartige Bildwiedergabe und sein charakteristisches Bokeh. Mit einer Festbrennweite von 35mm entspricht es an einer APS-C-Kamera einem Bildwinkel, der etwa einem 53mm-Objektiv an einer Vollformatkamera entspricht, und positioniert sich somit als klassisches Standardobjektiv für eine Vielzahl fotografischer Anwendungen. Diese Überprüfung beleuchtet die Stärken und Schwächen dieses Objektivs, basierend auf seinen technischen Spezifikationen und seiner praktischen Leistung, um eine ausgewogene Einschätzung zu liefern.
Design und Verarbeitungsqualität
Das XF 35mm f/1.4 R überzeugt mit einem bemerkenswert kompakten und leichten Design. Mit nur 187 Gramm ist es ein diskretes und unaufdringliches Objektiv, das die Kamera kaum belastet und sich ideal für den ganztägigen Einsatz eignet. Das Gehäuse ist robust und hochwertig aus Metall gefertigt, was ein angenehmes haptisches Erlebnis und Langlebigkeit vermittelt. Der Blendenring, ein geschätztes Merkmal vieler Fujifilm-Objektive, ermöglicht eine direkte und intuitive Steuerung der Blendenöffnung, was das klassische Fotografiergefühl unterstreicht. Auch der Fokusring ist gut dimensioniert und bietet einen gleichmäßigen Widerstand für präzises manuelles Fokussieren. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass das Objektiv keine Wetterversiegelung besitzt, was bei Aufnahmen unter herausfordernden Umgebungsbedingungen berücksichtigt werden sollte. Der Filtergewindedurchmesser beträgt 52mm.
Optische Leistung
Die optische Leistung ist zweifellos die größte Stärke des XF 35mm f/1.4 R und der Hauptgrund für seinen anhaltenden Erfolg.
- Schärfe: Bereits bei Offenblende f/1.4 liefert das Objektiv eine beeindruckende Schärfe im Bildzentrum. Diese ermöglicht eine exzellente Detailwiedergabe und trägt maßgeblich zu einem oft beschriebenen „3D-Pop“-Effekt bei, der das Motiv lebendig vom Hintergrund abhebt. Zu den Rändern hin nimmt die Schärfe bei f/1.4 moderat ab, was für viele kreative Zwecke, insbesondere Porträts, nicht nur akzeptabel ist, sondern oft als ästhetisch ansprechend empfunden wird. Beim Abblenden auf f/2 oder f/2.8 verbessert sich die Schärfe über das gesamte Bildfeld deutlich und erreicht ihren Höhepunkt bei Blendenwerten zwischen f/4 und f/8, wo das Objektiv durchgehend exzellente Ergebnisse über das gesamte Bildfeld liefert.
- Bokeh: Das „Bokeh“, die Qualität der Hintergrundunschärfe, ist legendär und einer der Hauptgründe, warum Fotografen dieses Objektiv lieben. Die maximale Blendenöffnung von f/1.4 in Kombination mit den 7 abgerundeten Blendenlamellen erzeugt eine außergewöhnlich cremige, weiche und ästhetisch ansprechende Hintergrundunschärfe. Dies isoliert das Motiv auf exquisite Weise und verleiht Bildern eine malerische Qualität.
- Abbildungsfehler: Chromatische Aberrationen (Farbsäume) sind im Allgemeinen gut korrigiert, können aber unter extremen Kontrastbedingungen an den Bildrändern vereinzelt sichtbar werden. Die Verzeichnung ist minimal und in der Praxis kaum relevant. Eine leichte Vignettierung ist bei Offenblende sichtbar, verschwindet jedoch beim Abblenden schnell.
- Streulichtverhalten: Das Objektiv zeigt ein insgesamt gutes Streulichtverhalten. Bei direktem Gegenlicht können jedoch leichte Flares oder Geisterbilder auftreten, die aber oft auch für künstlerische Effekte genutzt werden können. Die Linsenkonstruktion besteht aus 8 Elementen in 6 Gruppen.
Autofokusleistung
Ein Aspekt, der bei der Bewertung des XF 35mm f/1.4 R oft diskutiert wird, ist seine Autofokusleistung. Das Objektiv verwendet einen älteren Autofokusmotor des "Worm Drive"-Typs, der im Vergleich zu den moderneren Linear-Motoren neuerer Fujifilm-Objektive als hörbarer und etwas langsamer wahrgenommen werden kann. Bei guten Lichtverhältnissen ist der Autofokus in der Regel ausreichend präzise und zuverlässig für statische oder langsam bewegte Motive. In schwächeren Lichtumgebungen oder bei schnell bewegten Objekten kann der Autofokus jedoch an seine Grenzen stoßen und mehr Zeit für die Scharfstellung benötigen. Für die meisten typischen Anwendungsbereiche, bei denen oft bewusster fotografiert wird, stellt dies jedoch selten ein unüberwindbares Hindernis dar. Die Naheinstellgrenze liegt bei 0,28 Metern mit einer maximalen Vergrößerung von 0,17x. Das Objektiv verfügt über keine integrierte Bildstabilisierung.
Einsatzbereiche
Das Fujifilm XF 35mm f/1.4 R glänzt in mehreren spezifischen Anwendungsbereichen:
- Street Photography: Seine kompakte Größe, das geringe Gewicht und der unauffällige Charakter machen es zu einem hervorragenden Werkzeug für die Street Photography. Die "Standard"-Brennweite von 35mm (53mm äquivalent) bietet einen natürlichen Blickwinkel, der sich ideal für das Erfassen von Alltagsszenen, Momenten und menschlichen Interaktionen eignet, ohne aufdringlich zu wirken.
- Porträtfotografie: Die herausragende Lichtstärke von f/1.4 und das exzellente, cremige Bokeh prädestinieren dieses Objektiv für die Porträtfotografie. Es ermöglicht eine wunderschöne Isolierung des Motivs vom Hintergrund und erzeugt eine angenehme Plastizität und einen weichen Übergang von Schärfe zu Unschärfe, die für ansprechende Porträts unerlässlich sind.
- Alltagsfotografie ("Immerdrauf"-Objektiv): Aufgrund seiner Vielseitigkeit, des geringen Gewichts und der überzeugenden Bildqualität ist es ein beliebtes "Immerdrauf"-Objektiv. Es ist klein genug, um die Kamera überallhin mitzunehmen, und liefert genug Leistung für eine breite Palette von Motiven, von Landschaftsdetails bis hin zu Innenaufnahmen und Reisefotografie.
- Available-Light- und Low-Light-Fotografie: Die maximale Blendenöffnung von f/1.4 ist ein enormer Vorteil bei schlechten Lichtverhältnissen. Sie ermöglicht nicht nur das Fotografieren mit kürzeren Verschlusszeiten, um Bewegungsunschärfe zu vermeiden, sondern auch das Arbeiten mit niedrigeren ISO-Werten, was zu saubereren Bildern mit weniger Bildrauschen führt. Dies ist besonders nützlich für die Fotografie in Innenräumen, bei Dämmerung oder in der Nacht, wo die fehlende optische Bildstabilisierung durch die große Blende ausgeglichen werden kann.
Fazit
Das Fujifilm Fujinon XF 35mm f/1.4 R ist trotz seines Alters ein Objektiv mit Charakter und einer unverwechselbaren optischen Signatur. Es ist nicht das schnellste oder leiseste Objektiv im Fujifilm-Portfolio, und das Fehlen einer Wetterversiegelung sowie der optischen Bildstabilisierung sind Punkte, die berücksichtigt werden sollten. Doch diese geringfügigen Kompromisse werden durch seine herausragende Bildqualität, das einzigartige und wunderschöne Bokeh und sein klassisches, haptisches Bedienkonzept mehr als aufgewogen.
Für Fotografen, die Wert auf optische Exzellenz, eine inspirierende Benutzererfahrung und die Fähigkeit legen, Motive mit einem besonderen Look festzuhalten, bleibt das XF 35mm f/1.4 R eine absolute Empfehlung. Es ist ein Werkzeug, das Fotografen dazu anregt, bewusster und kreativer zu arbeiten, und belohnt sie mit Bildern, die eine Tiefe und einen Charme besitzen, die nur wenige Objektive erreichen. Es ist eine lohnende Investition für jeden, der das Potenzial seines Fujifilm X-Systems voll ausschöpfen möchte.
