Ein lichtstarker Klassiker im Test: Das Sigma 28-70mm f/2.8 EX DG Aspherical
Standardzoom-Objektive mit einer durchgehenden Lichtstärke von f/2.8 gehören seit jeher zur Grundausstattung vieler professioneller Fotografen und anspruchsvoller Amateure. Sie bieten eine unschätzbare Flexibilität, die von der Landschaftsfotografie bis zum Porträt reicht, und ermöglichen auch bei schwierigen Lichtverhältnissen hervorragende Ergebnisse. Das Sigma 28-70mm f/2.8 EX DG Aspherical ist ein Vertreter dieser Klasse, der heute vor allem auf dem Gebrauchtmarkt zu finden ist. Als Teil von Sigmas einstiger „Excellent“ (EX)-Profiserie versprach es eine hohe optische und mechanische Qualität. Doch wie schlägt sich dieser Klassiker an modernen DSLRs, insbesondere am Nikon F-Bajonett?
Haptik und Verarbeitung
Schon beim ersten Kontakt hinterlässt das Objektiv einen soliden Eindruck. Die EX-Serie von Sigma war bekannt für ihre robuste Bauweise, und dieses Modell bildet keine Ausnahme. Mit einem Gewicht von 510 Gramm ist es spürbar leichter als viele moderne 24-70mm f/2.8-Konkurrenten, was es zu einem angenehmen Begleiter für längere Fototouren macht. Es balanciert gut an den meisten Full-Frame-DSLRs, ohne kopflastig zu wirken.
Das Gehäuse ist mit der für die EX-Serie typischen, leicht rauen Oberfläche versehen, die eine gute Griffigkeit bietet. Sowohl der Zoom- als auch der Fokusring sind breit und gummiert. Der Zoomring läuft mit einem angemessenen Widerstand, der ein unbeabsichtigtes Verstellen verhindert, aber dennoch eine flüssige Bedienung ermöglicht. Ein Pluspunkt ist die Innenfokussierung (IF), bei der sich die Frontlinse während des Scharfstellens nicht dreht. Dies erleichtert den Einsatz von Polarisations- oder Verlaufsfiltern erheblich, da deren Ausrichtung beibehalten wird. Das Filtergewinde misst moderate 67 mm, was die Kosten für Filter in einem vernünftigen Rahmen hält.
Optische Leistung
Die entscheidende Frage bei jedem Objektiv ist die Bildqualität. Hier liefert das Sigma 28-70mm f/2.8 eine Leistung, die dem Alter entsprechend differenziert betrachtet werden muss.
Schärfe: Im Zentrum des Bildes zeigt das Objektiv bereits bei Offenblende f/2.8 eine gute bis sehr gute Schärfe über den gesamten Brennweitenbereich. Dies ist besonders für Porträts oder Motive, bei denen der Fokus auf der Bildmitte liegt, von Vorteil. Zu den Bildrändern hin lässt die Schärfe bei f/2.8 jedoch merklich nach, insbesondere im Weitwinkelbereich bei 28 mm. Abblenden auf f/4 oder f/5.6 führt zu einer signifikanten Verbesserung der Randschärfe, und bei f/8 erreicht das Objektiv seine Spitzenleistung über das gesamte Bildfeld. Für Landschaftsfotografen, die eine durchgehende Schärfe bis in die Ecken benötigen, ist das Abblenden also Pflicht.
Blende und Bokeh: Die konstante Lichtstärke von f/2.8 ist das herausragende Merkmal dieses Objektivs. Sie ermöglicht nicht nur kurze Verschlusszeiten bei schlechten Lichtverhältnissen, sondern auch eine effektive Freistellung des Motivs vom Hintergrund. Dank der neun Blendenlamellen erzeugt das Objektiv ein ansprechendes Bokeh. Die Unschärfekreise sind relativ weich und rund, was zu einem ruhigen und angenehmen Hintergrundverlauf beiträgt. Es mag nicht die cremige Perfektion moderner Premium-Objektive erreichen, ist aber für Porträts und Detailaufnahmen mehr als überzeugend.
Optische Korrekturen: Wie bei vielen Standardzooms dieser Ära sind optische Fehler vorhanden, die jedoch beherrschbar bleiben. Bei 28 mm zeigt sich eine sichtbare tonnenförmige Verzeichnung, die sich bei zunehmender Brennweite reduziert und am langen Ende in eine leichte kissenförmige Verzeichnung übergeht. Auch eine Vignettierung (Randabschattung) ist bei Offenblende, vor allem im Weitwinkel, deutlich erkennbar. Beide Phänomene lassen sich heute jedoch mit einem Klick in moderner Bildbearbeitungssoftware korrigieren. Chromatische Aberrationen (Farbsäume) sind in kontrastreichen Situationen an den Rändern sichtbar, halten sich aber in einem akzeptablen Rahmen.
Autofokus
Das Sigma 28-70mm f/2.8 EX DG für das F-Bajonett verfügt über keinen eigenen Ultraschallmotor (HSM). Stattdessen nutzt es den in der Kamera verbauten AF-Motor (Stangenantrieb). Dies hat zwei wichtige Konsequenzen: Erstens ist der Autofokus nicht mit Nikons Einsteiger-DSLRs der D3xxx- und D5xxx-Serien kompatibel, da diesen der Motor im Gehäuse fehlt. Zweitens ist der Fokussiervorgang deutlich hörbar und nicht so schnell wie bei modernen Objektiven. Für statische Motive, Porträts oder Events ist die Geschwindigkeit in der Regel ausreichend. Bei der Verfolgung schneller, unvorhersehbarer Bewegungen, wie im Sport, könnte das System jedoch an seine Grenzen stoßen. Die Präzision ist bei gutem Licht zuverlässig.
Anwendungsbereiche und Fazit
Das Sigma 28-70mm f/2.8 EX DG Aspherical erweist sich als ein vielseitiges Arbeitstier, das besonders in bestimmten Bereichen seine Stärken ausspielt.
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Porträt- und Eventfotografie: Hier ist das Objektiv in seinem Element. Die Lichtstärke von f/2.8 ermöglicht eine wunderschöne Motivfreistellung und erlaubt auch in Kirchen oder schlecht beleuchteten Sälen das Fotografieren ohne Blitz. Die Schärfe im Zentrum ist bei Offenblende bereits exzellent, was für Porträts entscheidend ist.
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Reisefotografie: Dank seines relativ geringen Gewichts und des flexiblen Brennweitenbereichs ist es ein hervorragender Allrounder für Reisen. Es deckt von weiten Landschaften bis hin zu engeren Porträts alles ab. Der einzige wirkliche Nachteil in diesem Bereich ist das Fehlen eines Bildstabilisators, was bei statischen Motiven in der Dämmerung kürzere Verschlusszeiten oder den Einsatz eines Stativs erfordert.
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Allgemeine Alltagsfotografie: Als „Immerdrauf“-Objektiv bietet es eine deutlich höhere Qualität und kreative Freiheit als typische Kit-Objektive. Die Kombination aus solider Verarbeitung und hoher Lichtstärke macht es zu einem verlässlichen Partner für verschiedenste fotografische Aufgaben.
Fazit: Das Sigma 28-70mm f/2.8 EX DG Aspherical ist ein Objektiv mit zwei Gesichtern. Es bietet die professionelle Lichtstärke und die solide Bauweise eines Premium-Zooms, bringt aber auch die optischen Kompromisse und die ältere Autofokustechnologie seiner Zeit mit. Für Fotografen, die eine günstige Alternative zu den teuren Originalobjektiven suchen und bereit sind, auf Bildstabilisierung und den schnellsten Autofokus zu verzichten, stellt es eine exzellente Wahl auf dem Gebrauchtmarkt dar. Wer die Schwächen bei der Randschärfe bei Offenblende und die Verzeichnung kennt und bei Bedarf durch Abblenden oder Softwarekorrektur umgeht, wird mit einem optisch leistungsstarken und vielseitigen Werkzeug belohnt, das auch heute noch beeindruckende Bilder liefert.
